Immermal wieder werde ich gefragt, ach du machst Outdoor, Hochseilgarten und Rafting und so Zeug.

Nein, ganz so ist es nicht. ich bin zwar auch seit vielen Jahren Hochseilgartentrainerin, bin da aber nicht mehr aktiv, da dies dort eine anderen Fokus hat in meinen Augen.

Ich arbeite mit dem Lernfeld Natur… was bedeutet das?

Nun, wenn ich mit Teams nach draußen gehe, lass ich schon mal als Schritt Eins die Kraft der Natur wirken.

Für viele Bürohocker ist das schon der erste Schritt aus der Komfortzone heraus. Dazu dieses „nicht wissen“ was heute auf mich zukommt…

Alleine schon das Draußen sein, dem Wetter trotzen, Frischluft atmen, wirkt schon für sich.

Und meist ist eine Aktion draußen in der Natur begleitend zu Themen oder Input,  die Indoor gerade behandelt werden, um das Lernen zu begünstigen

 

Die weiteren Pluspunkte von der Arbeit draußen

Was in meinen Augen ein großer Pluspunkt ist, ist, dass eine anfängliche Abwehr sich schneller in ein Spaß an der Sache wandelt, als im Seminarraum.

Wenn jemand sich im Seminarraum nicht mitmachen will, kann er es schaffen, sich den ganzen Tag zu „verstecken“.

Das ist draußen wesentlich schwerer möglich. Dort sage ich dann oft zb.. so jetzt nimmt jeder Teilnehmer das Seil in die Hand etc.

Und da müsste ein „Verweigerer“ sehr aktiv aus sich heraus gehen und sagen, macht er nicht und das passiert sehr selten. Dazu ist eher die Assoziation vorhanden, dass die Aufgaben hier ja Spiele sind und nichts mit dem Büro zu tun haben. Erst nach einer Weile erkennen die meisten, dass sie sehr wohl ihre Konstellation aus dem Büro mit nach draußen nehmen. Und wenn der Satz fällt “…wie bei uns im Büro“, dann war die gestellte Aufgabe genau richtig für dieses Team.

Auch ist das im Seminarraum große NoGo Körperkontakt ist interessanterweise sehr schnell toleriert, wenn man outdoor mit Gruppen arbeitet.

 

Was macht man da so?

Die genannten Aufgaben sind zum jeweiligen Thema passend gestellte Aufgaben, die die Ecken, an denen es hakt, in einem anderen Kontext widerspiegeln.

Wenn z.B. Kommunikation Thema ist wird eine Aufgabe gesucht, wo es genau darum geht. Ebenso wichtig, das Thema Schnittstellen kann gut mit Outdooraufgaben nachgebildet werden.

Auch das Thema Vertrauen bilden bietet vielfältige Möglichkeiten. Dazu wird es noch einen eigenen Blogbeitrag geben.

Während Planungsphasen kann der Trainer dann beobachten: schaut ein Team nach den passenden Ressourcen, fragt es mal in die Runde wer das vielleicht auch schon kennt, wie Entscheidungen getroffen werden, wie mit einander umgegangen wird, wie die Prozesse bei Änderungen sind und viel mehr.

Ein wichtiger Fakt  spielt hier mit rein – alles was wir selber erlebt und erfahren haben, ist viel stärker verankert, als wenn wir es nur hören. Klar wissen wir alle, dass Kommunikation wichtig ist. Doch durch Erfahrung lernen wir wirklich.

 

Hier möchte ich dazu ein paar Beispiele schildern:

Ein weiteres schönes Beispiel passierte genau vor einem Jahr. Die Aufgabe war, eine Leonardo-Brücke zu bauen. Dies ist eine freitragende, sich selbst stabilisierende Brücke, die ohne Schrauben und Nägel oder sonstigem gebaut werden kann. Das Material besteht nur aus einem Schwung Holzlatten. Das Team probierte und probierte, war offensichtlich auf dem Holzweg, schaffte es aber nicht diesen Weg komplett ad acta zu legen, neu anzufangen, eine komplett andere Lösung zu finden. Nach einer Weile nahm ich mir unauffällig eine ruhige Teilnehmerin zur Seite und zeigte ihr ohne Worte für 30 Sekunden die Lösung. Sie ging zur Gruppe zurück und was passierte dann? Sie sagte nichts, sie traute sich nicht, weil sie dachte sie dürfe das jetzt nicht sagen. Sie hat zwar angefangen, die Hölzer anders zu legen, aber ein Wissenstransfer hat nicht stattgefunden. Ich nahm mir eine weiter ruhige Teilnehmerin heraus, zeigte ihr die Lösung, sagte dazu nichts, gleiches Spiel. Sie sagte nichts. Das Team konnte also nicht von vorhandenem Wissen profitieren. Was ist da los gewesen? Auch hier waren am Ende viele wichtige Erkenntnisse da: Falsche Annahmen können einen Erfolg verhindern, Kommunikation ist wichtig, um vor allem Missverständnisse vorzubeugen und besonders ruhigere Teammitglieder offen mit reinholen und nicht übergehen.

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Ein weiteres Beispiel: Eine Aufgabe besteht darin, dass 3 kleinere Gruppen gebildet werden, die 1. darf nicht sprechen, hat aber den initialen Auftrag und die 3. sieht nichts, muss aber den Auftrag umsetzen. Dazu hat die 1. und die 3. Gruppe keine Information voneinander und sehen sich auch nicht. Alle Gruppen sind räumlich voneinander getrennt und die 2. Gruppe (die sprechen und sehen kann) hat die Aufgabe, den Auftrag von 1 entgegenzunehmen und an 3 zu vermitteln, was diese tun sollen.

Was glauben Sie, was passiert? Wie oft kommt es wohl vor, dass die 2. Gruppe alle beiden anderen Gruppen über das jeweilige Handicap der anderen informiert? Ich kann Ihnen sagen, sehr selten. Es ist so spannend zu beobachten, wie wiederum die 1. und die 3. Gruppe ungehalten werden, weil es dauert und sie einfach nicht wissen warum. Teilweise unterstellen sie den anderen völlige Unfähigkeit, was sicher nicht passieren würde, hätten sie die entsprechende Information über die Einschränkung. Am Ende weiß keiner so recht, warum die vermittelnde Gruppe diese Information nicht weitergegeben hat. Diese dachten meist, es ist nicht so wichtig. Und genau hier setzen die Erkenntnisse und der spätere Transfer zum Büroalltag an. Wie oft werden Informationen nicht weitergegeben, weil sie als nicht so wichtig betrachtet werden. Wie oft wird Information auch als Mittel der Macht gesehen. Dazu kochen teilweise auch Emotionen hoch, wenn es nicht weitergeht und der Grund dafür unklar ist. Und genaue hier ist es wichtig, die Teams zu begleiten, sie zu befähigen diese Erkenntnisse selber zu gewinnen und damit zu arbeiten.

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Schauen Sie sich meine Blogbeitrag zu einer Dominokettenreaktion an… wie oft planen die Teams ihren Teil bis ins Detail, machen und tüfteln und vergessen, sich Gedanken zu machen, wie ihr Abschnitt mit dem Abschnitt der nächste Gruppe verbunden wird, dass die Energie weiter gegeben werden kann, so dass es am Ende funktioniert?

Wichtig ist, dass am Ende der Übungen die Reflexion ermöglicht, das Erlebte langfristig in die Unternehmenswelt zu überführen und von gemeinsamen Erfahrungen zu lernen.

Wir haben aber unsere eigenen Themen und keine Zeit für andere Sachen

Aber auch Workshops zu eigenen Themen sind sehr wirksam in der Natur, für andere Blicke, andere Perspektiven. Die Teilnehmer sind hier viel eher bereit, ihr Smartphone auszulassen, es gibt eine ganz eigene Atmosphäre bei einer Berghütte, die sehr besonders ist.

 

All diese Faktoren machen das Lernfeld einer Teamentwicklung in der Natur so viel wertvoller als im Seminarraum. Sind Sie neugierig geworden? Wenn Sie Fragen haben, ich berate Sie gerne.

 

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Das ist ein Beitrag für #28daysofblogging

Im Rahmen dieser Challenge habe ich bereits folgende Beiträge veröffentlicht:

Zur Blog-Übersicht klicke hier

Tag 1 Intro zu der Challenge

Tag 2 Meine Top 3 Team Aktionen im Winter – Teil 1 Iglu-Bau

Tag 3 Meine Top 3 Team Aktionen im Winter – Teil 2 Eisskulpturen

Tag 4 Meine Top 3 Team Aktionen im Winter – Teil 3 Schneeschuhwandern

Tag 5 BarCamp Hallo Zukunft – Frauen in der Wirtschaft 4.0 – mein Erfahrungsbericht

Tag 6 ein Übungstipp für Seminare – das Systemische Dreieck

Tag 7 Die Pomodoro-Technik – Ein Tipp für das Zeitmanagement

Tag 8 Glück entsteht … – eine Gehmeditation in der Natur

Tag 9 Impressionen an Tag 9

1 Antwort
  1. Gaby Regler sagte:

    Hallo Anke!
    Wunderbare und absolut nachvollziehbare Beispiele aus deiner Arbeiit, die mir jetzt sehr viel klarer ist!
    Auch was alles oft schiefläuft und was nicht gut funktioniert in Teams … und wie dies in deiner Arbeit zu Tage kommt …

    Hier etwas zu verändern, erscheint mir sehr wichtig und sehr förderlich, damit das Team zukünftig besser zusammenarbeitet und bessere Ergebnisse erzielt!
    Viele Grüße
    Gaby

    Antworten

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