Im vorherigen Beitrag habe ich ein wenig die theoretische Basis zum Thema vertrauen umrissen, woher kommt unser Vertrauen und was sind die Auswirkungen von Vertrauensproblemen im Team.

In diesem Beitrag möchte ich ein paar Übungstipps vorstellen, die den Vertrauensaufbau mehr beschleunigen, als unter normalen Arbeitsbedingungen.

Klar ist, wenn gravierendes Misstrauen im Team ist, ist dies nur ein Grundstein – dennoch ein Grundstein in der Teamentwicklung, der emotional wirkt. Hier gilt es dann gezielt daran weiter zu arbeiten, um das Vertrauen im Team wieder herzustellen.

Das Lernziel: Vertrauen

Das Vertrauen im Team entsteht nicht von alleine. Meistens ist eine längere Zusammenarbeit der Teammitglieder erforderlich, damit das nötige Vertrauen entstehen kann. In der Arbeit in und mit der Natur lernen sich die Teammitglieder auf einer anderen Ebene kennen, eine Ebene die direktes Erfahrungslernen mit Emotionen kombiniert.  Die Übungen bewirken, dass das Vertrauen im Team schneller entstehen kann als unter normalen Arbeitsbedingungen. Das große Lernziel heisst: Vertrauen haben, mich komplett auf meine Kollegen verlassen zu können.

Hierzu gibt es verschiedene Aufgaben, die man von Anspruch her steigern kann.

Blind Walks

hier gibt es verschiedene Varianten,

Zweier-Blind-Walks, 2er Teams führen sich gegenseitig, die Teampartner sind dafür verantwortlich, dass dem Blinden Partner nichts passiert, dass er nirgendwo dagegen stößt, usw. es können unterschiedliche Wege der Führung ausprobiert werden (direkt am Arm oder an den Schultern, nur ganz leicht durch leichtes Berühren oder antippen, freies gehen und der Führende schreitet nur bei Gefahr ein) es geht hier um das direkte Erleben, dem anderen komplett zu vertrauen und spüren der Veränderung z.B. wie stark der andere führt oder in meiner eigenen Geschwindigkeit beim gehen.

Blind Walks im Team, hier bekommt die Gruppe die Aufgabe von Startpunkt X zu Zielpunkt Y mit verbundenen Augen zu finden. Das Team bekommt Zeit, sich die Strecke einzuprägen und eine Strategie auszuarbeiten. Dies kann auch noch erweitert werden, dass mehrere Kleingruppen von verschiedenen Startpunkten starten, sich erst 2 Gruppen finden und zusammen weitergehen, dann zur nächsten Gruppe finden und zusammen weitergehen, bis es nur noch eine Gruppe ist ( Bsp. A und B finden sich, C und D finden sich, AB und CD kommen an einem weiteren Punkt zusammen und gehen als eine Gruppe zum Ziel) hier ist es interessant, wir die Gruppenregeln und Führung bei den zusammengeschlossenen Gruppen entsteht und umgesetzt wird.

Vertrauenspendel

Die Gruppe steht in einem engen Kreis und hält die Hände auf Brusthöhe wie ein Stoßdämpfer und eine Person in der Mitte. Die Person in der Mitte verschränkt die Arme vor der Brust, macht den Körper steif. Die Person pendelt nun in eine Richtung, wird vom Kreis vertrauensvoll aufgefangen und weitergereicht. Das sollte kein Trainer ohne Vorerfahrung durchführen, um auf den richtigen Abstand zu achten und das die Personen des äußeren Kreises nicht unaufmerksam oder auch übermütig werden.

Das Pendel kann auch zu dritt durchgeführt werden und die Pendelrichtung ist nur nach vorne und nach hinten, wo jeweils die Person aufgefangen und zurückgependelt wird.

Vertrauens-V

hier wird eine Slackline zwischen Bäume gespannt in der Form eines V und das Team versucht jeweils paarweise dieses V zu begehen. Diese Aufgabe kann nur gelöst werden, wenn die 2 Personen ihren Körper auf totale Körperspannung bringen und sich trauen, sich richtig gegeneinander zu lehnen.

Vertrauensfall

Wahrscheinlich the King unter den Vertrauensübungen. Eine Person steht auf einem Baumstamm, Podest, Tisch, Leiter, Klettergerüst, je nachdem was verfügbar ist, und lässt sich rückwärts nach hinten fallen. Dahinter steht das Team in 2 Reihen, eng gegenüber, Arme angewinkelt, so dass eine geschlossene Fläche in der Mitte entsteht und fängt die fallende Person auf.

Wichtig trotz Vertrauen auch hier nicht ohne ein ankündigendes Zeichen fallen lassen und die Starthöhe ist idealerweise vom Fallenden wählbar. (sie sollte jedoch auf keinen Fall höher sein als die angewinkelten Arme der Fänger)

Vertrauensgasse

Mag ich sehr gern, ist ein schöner aktiver Abschluss und schön mit größeren Gruppen durchführbar. Das Team stellt sich in 2 gegenüberliegende Reihen, so dass sich bei ausgestrecktem Arm die Fäuste berühren. Das ist auch die Grundposition. Eine Person steht vor der Gasse und auf Kommando rennt die Person durch die Gasse und die Teammitglieder ziehen erst kurz vorher die Arme hoch. Das bedeutet für die Person, die rennt, erstmal auf eine geschlossene Gasse zu zurennen und das Vertrauen zu haben, dass die anderen die Arme rechtzeitig wegziehen.

Auch hier ist es wichtig, dass der Trainer auf die Verantwortung in der Gruppe hinweist, dass niemand hier Scherze macht und die Arme zu spät nach oben zieht.

Wichtig:

Wie vorher erwähnt, sollte ein durchführender Trainer um die Gefahrenpunkte wissen, also Erfahrungswerte mit diesen Übungen haben, damit nicht er/sie das Vertrauen der Gruppe verspielt. Auch hier gibt das Team dem Trainer den Vertrauensvorschuss, dass es richtig angeleitet ist und auf Gefahren hingewiesen wird. Sollte hier was schief gehen, was auf mangelnde Anleitung des Trainers zurück zu führen ist, ist das komplette Lernziel gefährdet. Wenn ein TN einem andren nicht vertraut und der dann das in dem Moment gegebene Vertrauen enttäuscht, wird es noch viel länger dauern, dies wieder zu kitten.

Reflexion

Die Reflexion sollte auf keinen Fall fehlen. Hier können Fragestellungen rund um das Vertrauen im Team gestellt werden, um die Erkenntnisse und die Erfahrungen zu verarbeiten. Was ist leicht, was ist schwer gefallen und warum, z.B.? Fällt es Ihnen nach den gemachten Erfahrung, durch die Kollegen künftig leichter, Verantwortung abzugeben und Ihrem Team zu vertrauen? Auf welche Weise können Sie sich diese Erfahrung als Hilfe mit in den beruflichen Alltag nehmen? und viele mögliche Fragen mehr.

 

 

 

 

 

 

Das ist ein Beitrag für #28daysofblogging

Im Rahmen dieser Challenge habe ich bereits folgende Beiträge veröffentlicht:

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Tag 1 Intro zu der Challenge

Tag 2 Meine Top 3 Team Aktionen im Winter – Teil 1 Iglu-Bau

Tag 3 Meine Top 3 Team Aktionen im Winter – Teil 2 Eisskulpturen

Tag 4 Meine Top 3 Team Aktionen im Winter – Teil 3 Schneeschuhwandern

Tag 5 BarCamp Hallo Zukunft – Frauen in der Wirtschaft 4.0 – mein Erfahrungsbericht

Tag 6 ein Übungstipp für Seminare – das Systemische Dreieck

Tag 7 Die Pomodoro-Technik – Ein Tipp für das Zeitmanagement

Tag 8 Glück entsteht … – eine Gehmeditation in der Natur

Tag 9 Impressionen an Tag 9

Tag 10 Teamentwicklung outdoor – mehr als nur ein Event

Tag 11 Übungstipp: das Lügen-Wappen

Tag 12 Vertrauen im Team

 

 

3 Kommentare
  1. Izabella sagte:

    Ich finde diese Übungen auch super! Außer der „King“, den habe ich immer gehasst. Das liegt aber weniger an der Übung, viel mehr daran, dass ich es hasse zu fallen!
    Viele Grüße, Izabella

    Antworten

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